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„Im Hinblick auf den humanen Charakter…“ - Wie die ersten Hollerith-Maschinen nach München kamen.

Hollerith-Maschinen ermöglichten eine erste Automatisierung in der Suchdienstarbeit.
Hollerith-Maschinen ermöglichten eine erste Automatisierung in der Suchdienstarbeit.

Dank der fortschreitenden Modernisierung der Arbeitsmittel des DRK-Suchdienstes sind Suche und Schicksalsklärung heutzutage per Computer und Internet für den DRK-Suchdienst unerlässlicher Alltag: Suchanfragen treffen per Online-Formular ein, es gibt E-Mail-Austausch mit anderen Nationalen Gesellschaften, Aktenbestände und Karteien –in jahrelanger Kleinstarbeit digitalisiert– werden mittels Datenbanken durchsucht, Vermisstenschicksale lassen sich per Datensatz klären. Im heutigen digitalen Zeitalter ist die Suche bei rund 10.000 Anfragen pro Jahr zum Zweiten Weltkrieg nicht anders zu bewältigen.

 

In der Anfangszeit des Suchdienstes sah dies jedoch noch anders aus: Suchanfragen wurden damals manuell oder mit der Schreibmaschine aufgenommen und auf Karteikarten festgehalten, Hinweise, Meldungen und neue Informationen nachträglich vermerkt und aktualisiert, Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft persönlich nach ihren vermissten Kameraden befragt. Gegen Ende 1947 umfasste die Kartei der Zonenzentrale in München so bereits über 9 Millionen Karteikarten.

 

Nach der amtlichen Kriegsgefangenen- und Vermisstenregistrierung im Frühjahr 1947 stellte sich schließlich die Frage, wie der Suchdienst die zeitnahe Auswertung aller Hinweise bewältigen und gleichzeitig Heimkehreraussagen und Vermisste systematisch zueinander in Beziehung setzen konnte. Die Experten waren sich einig: nur mit automatisierter, maschineller Unterstützung konnte der Suchdienst der Aufgabe Herr werden. Die ersten Überlegungen in diese Richtung blieben jedoch entmutigend. Das bereits im 19. Jahrhundert entwickelte Lochkarten-Verfahren –die damals modernste Form der Datenverarbeitung– sei für die Suchdienstarbeit ungeeignet, hieß es schnell, die benötigten Hollerith-Maschinen zudem zu teuer und unrentabel.

 

Die Überraschung beim Suchdienst der Zonenzentrale München war daher groß, als am 10. Oktober 1947 das Schreiben des stellvertretenden Präsidenten der International Business Machines Corporation (IBM) einging. Zuvor hatte sich die Juristin Hanna Kiep, Vorstandsmitglied des DRK und Mitarbeiterin im Auslandsdezernat des BRK, in die Diskussion eingeschaltet. Seit den 1930er Jahren mit IBM-Präsident Thomas J. Watson befreundet und mit guten Kontakten zur amerikanischen Militärregierung, stellte sie die entscheidende persönliche Verbindung zu dem Großkonzern her.

 

Während die Hamburger Geschäftsstelle der Deutschen Hollerith-Maschinen Gesellschaft zuvor noch hohe Mietgebühren und Beschaffungskosten in Aussicht gestellt hatte, verkündete der Stellvertreter Watsons, K.J. Hendricks, in seinem Schreiben überraschend, dass man „im Hinblick auf den humanen Charakter dieser Arbeit“ einverstanden sei, dem Suchdienst acht Maschinen für zunächst zwei Jahre zur Verfügung zu stellen, „und zwar auf einer völlig kostenlosen Grundlage“. Er würdigte damit die Suchdienstarbeit ausdrücklich als „eine der wichtigsten Funktionen […], die überhaupt von einem Wohlfahrtsverband in Deutschland erfüllt wird“.

 

Mit dieser Entscheidung begann die Automatisierung der Suchdienstarbeit. Wurden mithilfe des Hollerith-Verfahrens zunächst lediglich die ca. 450.000 Karteikarten der Kriegsgefangenenregistrierung verlocht, so entwickelten sich die Lochkarten in den Folgejahren zu einem unentbehrlichen Bestandteil bei der Suche nach Kriegsgefangenen und Vermissten. Das Verfahren half, Heimkehrer und Vermisste systematisch zusammenzubringen und so zahllose Schicksale zu klären.

 

Hollerith-Maschinen ermöglichten Vermisstenbildlisten
Nicht zuletzt bei der Erstellung der Vermisstenbildlisten zeigte sich die logistische Bedeutung der Maschinen: innerhalb eines Jahres wurden 1957/58 die Angaben von ca. 1,4 Millionen Personen nach Truppenteilen und Lagerstandorten geordnet, zu Bildlisten mit ca. 900.000 Fotografien zusammengefasst und in insgesamt 225 Bänden gedruckt. Genutzt werden diese auch heute noch: Nach einer mehrjährigen Digitalisierungsphase sind die Vermisstenbildlisten nun für die Öffentlichkeit online zugänglich.