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Wieder als Familie vereint

Samir S. und seine Familie im Rotkreuzhaus in Müllheim. Foto: Dorothee Philipp
Samir S. und seine Familie im Rotkreuzhaus in Müllheim. Foto: Dorothee Philipp

BAD KROZINGEN Samir S. (Name geändert) musste 2015 aus dem Irak fliehen. Zurück blieben seine Frau und sein kleiner Sohn. In Deutschland verschlechterte sich der Gesundheitszustand des 34-jährigen gelernten Automechanikers rapide. Die Diagnose: ein Hirntumor, nicht bösartig und mit guten Behandlungschancen. Sein größter Wunsch, vor der entscheidenden Operation seine Familie wiederzusehen, hat sich jetzt erfüllt: Dank des Suchdienstes des DRK-Kreisverbandes Müllheim konnten Frau und Kind ausfindig gemacht und nach Deutschland geholt werden.

Dass die Zusammenführung so schnell geklappt hat, ist nach Marieluise Weirich vom DRK-Suchdienst fast ein kleines Wunder. "Normalerweise dauern solche Zusammenführungen Jahre", sagte sie. Im Fall der Familie S. waren einige Monate intensiver Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und den deutschen Botschaften nötig, bis Frau S. und ihr Söhnchen endlich Anfang November ins Flugzeug nach Deutschland steigen konnten. Dass die Mutter mit dem Kleinen jetzt wieder bei ihm ist, ist für Samir S. ein riesengroßes Geschenk. "Seit sie hier sind, geht es mir auch gesundheitlich viel besser. Ich bin zuversichtlich, dass die OP gelingt", sagt er. Dass er den Kleinen über ein Jahr nicht gesehen hat, war das Schlimmste für ihn. Er sei ja so groß geworden, schon vier Jahre alt.

Jetzt steht Samir S. in Socken im Spielzimmer des Rotkreuzhauses am Südring und freut sich am Gewusel der vier Kinder, die hier unter der Aufsicht ihrer Mütter auf der kleinen Rutsche herumturnen. Bauklötzchen und Bällchen liegen herum, ein kleines Mädchen versucht, durch eine mit einem bunten Netz bespannte Röhre zu krabbeln. Der Kleine rennt auf seinen Papa zu und lässt sich von ihm in die Luft heben. Eine Situation, alltäglich für jede junge Familie hierzulande, aber für die Familie S. ein unfassbares Glück.

Wenn Samir S. wieder gesund ist, will er sich in einer Autowerkstatt Arbeit suchen, berichtet er. Seit er in Deutschland ist, besucht er Sprachkurse und kann sich schon recht gut auf Deutsch verständigen. Auch sonst sei die Familie sehr selbstständig, sagt Marieluise Weirich, egal ob es sich um die Hilfe beim Übersetzen oder um die Organisation einer Zugfahrt handle. Die Sprachbarriere in der Spielgruppe hilft die Gruppenleiterin Susann Ali zu überwinden: Sie spricht Englisch, Arabisch und Kurdisch und natürlich Deutsch. Wenn Frau S. für den Kleinen eine Betreuung gefunden hat, will auch sie mit Sprach- und Integrationskursen beginnen. Auch sie hat einen qualifizierten Schulabschluss und will bald eine Arbeit suchen.

"Diese Geschichte ist wieder ein schönes Beispiel für die Arbeit des DRK-Suchdienstes", meint Weirich. Nur wenige wüssten, was in den deutschlandweit rund 80 Beratungsstellen passiert, sagt sie. Der Suchdienst unterstütze Menschen, die durch bewaffnete Konflikte, Katastrophen, Flucht, Vertreibung oder Migration von ihren Nächsten getrennt wurden.

Er helfe, Angehörige zu finden, sie wieder miteinander in Kontakt zu bringen und Familien zu vereinen. Bei den aktuellen Suchanfragen von Geflüchteten und Migranten arbeitet der DRK-Suchdienst mit dem internationalen Netzwerk vom Roten Kreuz und dem Roten Halbmond zusammen.

"Suchdienst ist seit über 150 Jahren eine Kernaufgabe der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und wahrt das humanitäre Recht zu erfahren, wie es den eigenen Angehörigen geht oder was aus ihnen geworden ist", heißt es auf der Homepage.

Die Familie S. verdankt dem Suchdienst die Möglichkeit, gemeinsam eine neue Zukunft aufzubauen, das Kind heranwachsen zu sehen und vor Krieg und Verfolgung in Sicherheit zu sein.
 
Text und Bild: Dorothee Philipp
Mit freundlicher Genehmigung von Dorothee Philipp, freie Journalistin in Müllheim.