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Überarbeitete Neuauflage: "Von Solferino zur Suche 2.0"

Stefan Schomann, Autor und Journalist. Bild: Stefan Maria Rother
Stefan Schomann, Autor und Journalist. Bild: Stefan Maria Rother

Stefan Schomann ist mit dem Deutschen Roten Kreuz vertraut: In dem Buch „Im Zeichen der Menschlichkeit“ (2013) widmete er sich seiner 150-jährigen Geschichte. Zum 70-jährigen Jubiläum der Neugründung des DRK-Suchdienstes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte er im Auftrag der Suchdienst-Leitstelle eine Broschüre über die geschichtliche Entwicklung der Suchdienstarbeit verfasst: „Von Solferino zur Suche 2.0 – Meilensteine des DRK-Suchdienstes“.

Schomann hat aus 150 Jahren Suchdienstgeschichte 25 Meilensteine ausgewählt. Eine Aufgabe, die dem Autor offensichtlich nicht so leicht fiel.

"Das war gar nicht so einfach", erzählt er. "Ursprünglich sollten es sogar nur zehn sein, aber wir haben dann gemerkt, dass es so viele interessante Stationen gibt, dass wir auf 25 erweitert haben."

Die Broschüre beinhaltet viele Originaldokumente oder Zitate aus Originaldokumenten. Es sind 25 kleine Erzählungen aus der Geschichte des Suchdienstes, wenn man so will.

"Die Broschüre will keine zusammenhängende Geschichte von damals bis heute aufzeigen", erklärt Schomann diese Form. "Vielmehr setzt sie Schlaglichter; man kann nach Interesse blättern und dort verweilen oder sich vertiefen, wo es gerade gefällt."

Die bisher umfangreichste und durchaus prägende Arbeit des DRK-Suchdienstes erfolgte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Millionen Menschen vermissten ihre Angehörige und Zehntausende saßen in ausländischen Kriegsgefangenenlagern. Aber Stefan Schomann hat auch die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg fasziniert.

"Suchdienstarbeit geht zurück auf die Anfänge des Roten Kreuzes und ist damit eine originäre Rotkreuzaufgabe, auch wenn diese Tätigkeit damals noch anders bezeichnet wurde", sagt er. "Bereits Henry Dunant, der Gründer der Rotkreuzbewegung, hat in Solferino Mitteilungen von Kriegsverwundeten entgegengenommen und an ihre Familien übersandt."

Für die Arbeit an der Broschüre hat Schomann auch einen Blick in die "Zentrale Namenskartei" geworfen. Auf über 50 Millionen Karteikarten finden sich Auskünfte zu über 20 Millionen Suchfälle. Stefan Schomann hat offensichtlich gerne in den Karten geblättert:

"Das ist geradezu ein Monument der Zeitgeschichte. Jede Beantwortung einer Suchanfrage dokumentiert die notwendige detektivische Recherche und liest sich oft wie eine kleine historische Reportage. Die Fantasie macht sofort eine Story daraus. Das hat mich sehr berührt."

Heute erfolgt ein Großteil der Recherchen in digitaler Form. Es gibt heute keine Vermisstenbildlisten mehr wie nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern Bilder von Suchenden auf Plakaten oder im Internet.

"Die Art der Suchen verändert sich aufgrund des technischen Fortschritts oder datenschutzrechtlicher Belange stetig, die Aufgabe an sich bleibt gleich", sagt Stefan Schomann.