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Ali Reza fand seine Mutter und Schwester wieder – nach über zwei Jahren

Ali Reza mit "Papa" Abdul Lateef A. und Tante Silke A. in Kiel. Foto: DRK-Suchdienst
Ali Reza mit "Papa" Abdul Lateef A. und Tante Silke A. in Kiel. Foto: DRK-Suchdienst

Der Junge Ali Reza aus Afghanistan verlor bei der Überfahrt über das Mittelmeer 2015 den Kontakt zu seiner Mutter und seiner Schwester. Fast drei Jahre lang fehlte ihm jede Spur, bis er mit Hilfe des Suchdienstes die beiden wieder finden konnte – in Großbritannien.

Ali Reza ist 19 Jahre alt und lebt seit über drei Jahren in Deutschland, auf sich allein gestellt, nachdem er an einem Strand in der Türkei gewaltsam von Mutter und Schwester getrennt wurde. Bis Anfang des Jahres 2018 wusste er nicht einmal, ob sie überhaupt noch leben. Dieses Schicksal teilt Ali Reza mit tausenden anderen Flüchtlingen in Europa. Viele von ihnen wissen nicht, ob ihre Angehörigen lebendig oder tot sind. Ali Reza hatte Glück: Nach über zwei Jahren der Ungewissheit konnte der DRK-Suchdienst mit Unterstützung des Britischen Roten Kreuzes seine Mutter und Schwester finden.

Ali Reza, sportlich schlank und mit den funkelnden Augen eines Jugendlichen, hat nur vage Erinnerungen an sein Heimatland Afghanistan. Als er fünf Jahre alt war, wurde sein Vater getötet, die Mutter nahm ihre beiden Kinder und floh in den Iran. Neun Jahre lebten und arbeiteten sie dort unter schwersten Bedingungen in einer Ziegelei. Als Flüchtlinge waren sie niemals sicher und so machte sich die kleine Familie ein zweites Mal auf den Weg. Diesmal in Richtung Europa, die Mutter wollte nach Schweden.

„Ich wollte nicht gehen“, sagt Ali Reza lächelnd. „Ich kannte nur die Ziegelei und da wollte ich bleiben. „Europa“ war für mich nur ein Wort und von Deutschland hatte ich nicht mal gehört.“

Quer durch den Iran und die Türkei bis an die Mittelmeerküste war die Familie zusammen unterwegs. Aber als sie dann eines Nachts mit 200 weiteren Geflüchteten am Strand in Boote steigen wollten, fielen plötzlich Schüsse. Menschen liefen umher, es kam Stress auf. „Ich wurde einfach in ein Boot geworfen und wir fuhren schnell los. Dabei verlor ich mein Handy und meinen Rucksack“, erklärt Ali, er macht dabei eine Bewegung mit beiden Händen, als ob er einen Sack auf eine Ladefläche wirft.

In der Nacht, an dem Strand, im Mai 2015 verlor er jeden Kontakt zu Mutter und Schwester. Die Überfahrt nach Griechenland ist nicht lang und Ali Reza wartete mehrere Wochen auf der griechischen Seite. Aber sie kamen nie nach. Niemand konnte ihm etwas zu den beiden sagen.

Nach einigen Wochen setzte er die Reise fort. Zunächst nach Österreich, wo er einige Monate blieb und dann nach Deutschland und Kiel, mit dem Ziel Schweden.

In einer Kieler Notunterkunft traf Ali Reza im Dezember 2015 einen Landsmann, der schon seit über 40 Jahren in Deutschland lebt, einen deutschen Pass besitzt und mit einer Deutschen verheiratet ist. Abdul Lateef A. mit Frau Silke A.. Das Paar nimmt Ali Reza als Pflegekind auf und Lateef A. übernimmt für ihn die Vormundschaft. Heute nennt Ali Reza die beiden „Papa“ und „Tante Silke“.

Die neue Familie hilft Ali Reza bei Behördengängen und Anträgen. Er geht zur Schule, macht seinen Hauptschulabschluss, „mit „sehr gut“ fügt "Papa" Abdul Lateef A. stolz hinzu, und er beginnt in 2017 eine dreijährige Ausbildung zum Anlagemechaniker.

Die Pflegeeltern stellen für Ali Reza auch Kontakt zum DRK-Suchdienst her. Im März 2016 erhält dieser Ali Rezas Suchanfrage und sein Foto wird auf der Such-Plattform www.tracetheface.org eingestellt. Über das Rote Kreuz können Suchende hier ihr eigenes Bild veröffentlichen lassen, zusammen mit den Angaben, nach wem sie suchen. Im Dezember 2018 – fast zwei Jahre, nachdem die Suche begonnen hatte - meldet sich das Britische Rote Kreuz beim DRK-Suchdienst: Eine Mutter und ihre Tochter suchten nach dem vermissten Sohn und Bruder „Ali Reza“. Treffer! Zweieinhalb Jahre der Ungewissheit darüber, ob seine Mutter und Schwester überhaupt noch leben, jetzt endlich erlösende Gewissheit für Ali Reza.

Mutter und Tochter waren in der Türkei geblieben und 2017 als UN-Flüchtlinge anerkannt worden; sie konnten per Flugzeug nach England reisen. Kurz darauf kamen sie in Kontakt zum Britischen Roten Kreuz, das die Suche nach Ali Reza startete.

Überglücklich kann die Familie im Januar 2018 wieder miteinander telefonieren. Seitdem hat Ali wieder regelmäßigen Kontakt mit seiner Mutter und Schwester.