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Interview: „Wir gehen immer ein Stück mit.“

Lydia Hantke (Psychologin sowie Therapeutin)
Lydia Hantke (Psychologin und Therapeutin)

Suchdienst-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind täglich mit kritischen Lebensumständen konfrontiert und erleben emotionalen Stress am Arbeitsplatz: Menschen auf der Flucht, die selbst unter dem Verlust oder unter der Verlustangst eines Angehörigen leiden, benötigen ihre Hilfe; doch ihre Unruhe und Anspannung kann sich dabei leicht auf die Beratenden übertragen. Die Maßnahmen der psychosozialen Notfallversorgung können bei der Bewältigung dieser Belastungen helfen.

Lydia Hantke ist Psychologin und arbeitet auch als Therapeutin. Zusammen mit einem Kollegen hat sie die Website „be-here-now.eu“ ins Leben gerufen, mit der sie Menschen, die im Bereich Flüchtlingsberatung arbeiten, helfen möchte.

Warum haben Sie diese Website erstellt?

Sie ist eine Ergänzung unseres eigentlichen Hauptbetriebs „institut berlin“, wo wir Weiterbildungen im Bereich Trauma-Fachberatung und Trauma-Pädagogik anbieten.

Gerade im ehrenamtlichen Bereich ist es wichtig, dass ein Basiswissen über mögliche Folgen vom Umgang mit Traumatisierten vorhanden ist. Ein Engagement, das dauerhaft die Grenzen des/der Einzelnen übersteigt, führt zu großen Ausfällen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen. Dies betrifft vor allem die, die nicht gelernt haben, auf sich zu achten.

Warum kann es überhaupt belastend sein, mit Flüchtlingen oder Traumatisierten zu arbeiten?

Wir Menschen reagieren auf unsere Mitmenschen, auf ihre Körperspannung, wir kommunizieren nonverbal. Wenn eine Person, die unter hohem psychischen Stress steht – wie ein Flüchtling oder ein besorgter Angehöriger – einen Raum betritt, dann überträgt sich die Stimmung auf andere im Raum. Als Berater einer besorgten oder deprimierten Person gehen wir dann ein Stück mit in diese Niedergeschlagenheit. Das ist eine ganz normale Reaktion, aber wer hier nicht für sich sorgt, rutscht leicht in eine „Sekundärtraumatisierung“, wie wir Psychologen das nennen.

Warum ist es wichtig, ein Bewusstsein für diese Sekundärtraumatisierung zu schaffen?

Viele Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten, erkennen nicht, dass sie unter Stress stehen. Sie sind wie ein Muskel, der sich immer anspannt, aber nie entspannt. Irgendwann wird es dann zu viel und dann wird man krank oder erlebt einem sog. Burnout. Wenn dies einem aber bewusst ist, dann ist es leichter, auch etwas gegen diesen Stress zu tun.

Was kann man als Sachbearbeiter tun?

Zum einen auf die Signale des eigenen Körpers achten: Magen-Darm-Beschwerden oder Konzentrationsschwierigkeiten sind typisch für Menschen, die unter Stress stehen.

Dann ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Einen körperlichen Ausgleich mit Pausen oder einem Spaziergang zwischendurch. Vertraute Dinge am Arbeitsplatz, Kleinigkeiten, wie ein Ring, den ich gerne trage, oder ein Stift oder eine Brotdose. Sachen, die mir Freude machen, können auch wichtig sein.

Was empfehlen Sie grundsätzlich beim Gespräch mit traumatisierten Menschen?

Es ist schwer zu pauschalisieren. Jede Situation und jede Person ist anders. Aber grundsätzlich ist es wichtig, eine entspannte, nicht konfrontative Situation zu schaffen. Ein Tisch zwischen Berater und Klienten kann helfen, eine gewisse Distanz zu wahren. Setzen Sie sich lieber etwas schräg gegenüber oder nebeneinander, damit die Situation nicht so konfrontativ ist. Wenn etwas schriftlich per Computer aufgenommen wird, ist es auch wichtig, dies dem anderen zu zeigen, und nicht das Signal zu geben „Ich habe was, was du nicht hast“.

Tee oder Kaffee oder Kekse auf dem Tisch können helfen, die Spannung zu lösen.

Es ist auch gut, sich einen Lieblingsplatz auszusuchen. Vielleicht sitze ich gerne am Fenster, dann kann ich vielleicht da auch die Beratung durchführen.

Weitere Tipps und Information zum Nachlesen finden Sie auf www.be-here-now.eu.

Das Faltblatt „Psychologische Erste Hilfe“ des DRK basiert auf entsprechenden Informationen der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

Interview: Fredrik Barkenhammar