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Kontakt mit der Familie nach jahrelanger Trennung

Farhad S.
Farhad S.

Farhad S. fand nach jahrelanger Trennung und einer dramatischen Flucht aus Afghanistan seine Familie wieder. Er hat dem Suchdienst seine Geschichte erzählt und erklärt, wie es zu der Trennung und langen Ungewissheit kam.

2009 verließ Farhad S. zusammen mit seiner Mutter, einer Schwester und zwei Brüdern Afghanistan. Zuvor war ein älterer Bruder, der als Dolmetscher für die US-Armee gearbeitet hatte, von gegnerischen Kräften geholt und seitdem nicht mehr gesehen worden. Sie hatten alle Angst, dass Ähnliches anderen Familienmitgliedern passieren könnte.

13 Personen in einem Auto

Die Familie fuhr mit einem Bus an die iranische Grenze. Dort wurden sie mit einem PKW weitergebracht. „Wir saßen mit 13 Personen plus einem Fahrer in einem PKW“, sagt Farhad S. und erläutert:

„Neben dem Fahrer sitzen drei: zwei auf dem Sitz und eine Person auf dem Boden. Auf der Rückbank sitzen vier und drei weitere auf dem Boden. Das sind zehn. Im Kofferraum liegen weitere drei.“ Farhad zieht die Knie hoch, bis unter das Kinn. „Es ist schwer so zu sitzen. Eine Stunde, ja. Aber zwei, drei, vier oder fünf Stunden machen viele Schmerzen.“

Er hatte die Taschen voll Geld. 3.000 Euro kostet die Fahrt nach Griechenland und es wird bar bezahlt, Strecke für Strecke. Flüchtlinge sind ein lukratives Geschäft für das nebulöse Logistik-Netzwerk, welches Menschen irgendwie über drei Landesgrenzen schafft: Afghanistan/Iran, Iran/Türkei, Türkei/Griechenland.

Trennung vor Überfahrt über das Mittelmeer

Die Familie blieb längere Zeit sowohl im Iran als auch in der Türkei. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Flüchtlinge längere Aufenthalte entlang der Route machen, um Geld zu erarbeiten. 2010 kam die Familie endlich nach Griechenland und Farhad organisierte die Überfahrt nach Italien per Boot.

„Meine Mutter und meine Geschwister stiegen ins Boot. Ich nicht. Ich hatte das Geld und wollte erst am nächsten Tag nachkommen.“

Es war stürmisch auf dem Ionischen Meer. Kurz vor der italienischen Küste wurde das Boot von der italienischen Küstenwache aufgenommen. Es war voll Wasser gelaufen und die Passagiere wurden von der Küstenwache an Land und später zurück nach Griechenland gebracht.

Ab diesem Zeitpunkt hatte Farhad S. keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Das Handy der Mutter war nicht mehr zu erreichen. „Wahrscheinlich war es nass geworden, ich weiß es nicht.“ Er selber schaffte es aber mit einem anderen Boot nach Italien. Nachdem er keine Spur von der Familie fand, machte er sich weiter auf den Weg über Frankreich und Belgien nach Deutschland. 2011 kam er an, beantragte Asyl und hat seitdem eine „humanitäre Aufenthaltserlaubnis“, die er alle drei Jahre verlängern muss.

 

 

Die Suche beginnt

Er wusste nicht, was aus der Familie geworden ist. Anrufe in die Heimat, Recherchen über Facebook oder andere Internetquellen haben nichts gebracht. Seit einigen Jahren ist Farhad S. in Behandlung in einer Organisation namens „XENION“, die psychosoziale Hilfe für politisch Verfolgte anbietet. Diese Organisation gab Farhad auch den Tipp, sich beim Roten Kreuz zu melden, um nach seiner Familie zu suchen.

Im Februar 2015 – fast fünf Jahre nach der Trennung – stellte der DRK-Suchdienst Farhad S. Bild ins Internet, mit dem Hinweis „I am looking for my family“ (Ich suche meine Familie) als Bildtext.

Dann wartete er. Für Farhad S. verging die Zeit offensichtlich wie in Zeitlupe. „Es hat Monate, vielleicht ein Jahr gedauert, bis ich endlich etwas hörte“, sagt er.

Wieder am Telefon

Es dauerte allerdings nur etwa einen Monat, bis ein Bekannter in Afghanistan sein Gesicht erkannte und die Familie – die mittlerweile zurückgekehrt war – verständigte.

In März 2015 konnte die Familie wieder miteinander telefonieren. Wie war es? Farhad S. bleibt ruhig, als er erzählt, wie er mit seinem Bruder telefoniert hat. „Ich habe jeden Tag mit ihm gesprochen. Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag.“ Es gab viel zu erzählen und jetzt erfuhr er auch, was mit der Familie passiert war, nachdem sie in Italien den Kontakt miteinander verloren hatten.

Nach dem Erlebnis mit dem wassergefüllten Boot und der Zurückweisung nach Griechenland, wollte die Mutter nicht ein zweites Mal die Flucht versuchen. Der kleinste Bruder war zudem erkrankt auf der Überfahrt und die Familie zog zurück nach Afghanistan. Der jüngste Bruder starb dort an einer Krankheit, die er sich, so denkt Farhad S., auf der Überfahrt zwischen Griechenland und Italien geholt hat.

Ungewisse Zukunft

Fünf Jahre alleine mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus ist auch ein recht hartes Los für den jungen Farhad S.. Er hat wenig Aussicht darauf, dass die Familie wieder zusammenfindet. Er ist in Deutschland und sie sind noch in Afghanistan. Farhad gibt aber die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann nachkommen könnten. Dann wäre die Flucht, die 2009 in einem extrem vollgepackten Auto an der Grenze zwischen Afghanistan und Iran begann, endlich zu Ende.