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Wie Farhad dank Trace the Face seine Familie wiederfand

2009 verließ Farhad zusammen mit seiner Mutter, einer Schwester und zwei Brüdern Afghanistan. Zuvor war ein älterer Bruder, der als Dolmetscher für die US-Armee gearbeitet hatte, von gegnerischen Kräften abgeführt und seitdem nicht mehr gesehen worden. Sie hatten alle Angst, dass Ähnliches auch anderen Familienmitgliedern passieren könnte.

Die Familie fuhr mit einem Bus an die iranische Grenze. Dort wurden sie mit einem PKW abgeholt. „Wir saßen mit 13 Personen plus Fahrer in einem PKW“, sagt Farhad und erläutert:

„Neben dem Fahrer sitzen drei: zwei auf dem Sitz und eine Person auf dem Boden. Auf der Rückbank sitzen vier und drei weitere auf dem Boden. Das sind zehn. Im Kofferraum liegen weitere drei.“ Farhad zieht die Knie hoch, bis unter das Kinn. „Es ist schwer, so zu sitzen. Eine Stunde, ja. Aber zwei, drei, vier oder fünf Stunden machen viele Schmerzen.“

Die Familie blieb längere Zeit sowohl im Iran als auch in der Türkei. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Flüchtlinge längere Aufenthalte entlang der Route verbringen, um für die Flucht notwendiges Geld zu erarbeiten. 2010 kam die Familie endlich nach Griechenland und Farhad organisierte die Überfahrt nach Italien per Boot.

„Meine Mutter und meine Geschwister stiegen ins Boot. Ich nicht. Ich behielt das Geld und wollte erst am nächsten Tag nachkommen.“

Es war stürmisch auf dem Ionischen Meer. Kurz vor der italienischen Küste wurde das Boot von der italienischen Küstenwache entdeckt. Es war voll Wasser gelaufen und die Küstenwache brachte die Passagiere an Land und später zurück nach Griechenland.

Ab diesem Zeitpunkt hatte Farhad keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Das Handy der Mutter war nicht mehr zu erreichen. „Wahrscheinlich war es nass geworden, ich weiß es nicht.“ Er selbst schaffte es aber mit einem anderen Boot nach Italien. Nachdem er keine Spur von der Familie hatte, machte er sich weiter auf den Weg über Frankreich und Belgien nach Deutschland. 2011 kam er an, beantragte Asyl und hat seitdem eine „humanitäre Aufenthaltserlaubnis“, die er alle drei Jahre verlängern muss.

Er wusste nicht, was aus seiner Familie geworden ist: Anrufe in die Heimat, Recherchen über Facebook oder andere Internetquellen führten zu nichts. Seit einigen Jahren ist Farhad in Betreuung einer Organisation in Berlin, die psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte anbietet. Diese gab Farhad auch den Tipp, sich beim Roten Kreuz zu melden, um nach seiner Familie zu suchen.

Fast fünf Jahre nach der Trennung stellte der DRK-Suchdienst Farhads Bild auf der Plattform www.tracetheface.org ins Internet ein mit dem Hinweis „I am looking for my Family“ (Ich suche meine Familie). Dann wartete Farhad.

Etwa einen Monat später entdeckte der Englisch-Lehrer seines Bruders in Afghanistan sein Gesicht und verständigte die Familie – die mittlerweile zurückgekehrt war. Kurz danach konnte die Familie wieder miteinander telefonieren.

Wie war es? Farhad bleibt ruhig, als er erzählt, wie er mit seinem Bruder telefoniert hat. „Ich habe jeden Tag mit ihm gesprochen. Erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag.“ Es gab viel zu erzählen und jetzt erfuhr er auch, was mit der Familie passiert war, nachdem sie in Italien den Kontakt zueinander verloren hatten.

Nach dem Erlebnis mit dem wassergefüllten Boot und der Rückführung nach Griechenland wollte die Mutter kein zweites Mal die Flucht versuchen. Der kleinste Bruder war zudem erkrankt auf der Überfahrt und die Familie zog zurück nach Afghanistan. Der jüngste Bruder starb dort an den Folgen einer Krankheit, die er sich, so denkt Farhad, auf der Überfahrt zwischen Griechenland und Italien zugezogen hat.

Fünf Jahre allein mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus ist für den jungen Farhad ein recht hartes Los. Er hofft darauf, dass die Familie wieder zusammenfindet. Er ist in Deutschland und sie sind noch in Afghanistan. Aber Farhad gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann nachkommen könnten.

 

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