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Historischer Hintergrund

Die Auswanderung von Deutschen in östliche und südöstliche Länder Europas hat eine lange Geschichte. Sie reicht teilweise bis ins Mittelalter zurück. Anders als die Auswanderer nach Nord- und Südamerika, die sich schnell in ihre jeweilige neue Heimat integrierten, bildeten die Deutschen im Osten vielfach „Kolonien", in denen sie als Deutsche weiterleben wollten. So waren sie natürlich den jeweiligen politischen Strömungen sehr stark unterworfen und wurden oft deren Opfer. Man schätzt die Anzahl der außerhalb Deutschlands lebenden Nachfahren dieser Menschen auf rund vier Millionen.

Russland und ehemalige UdSSR

Die Bewohner des Dorfes Alt-Montal im Süden der Ukraine waren in 1918 überwiegend Deutsche. (DRK-Suchdienst)Schon während der Tatarenherrschaft (1237 bis 1480) konnten deutsche Kaufleute im Rahmen der Hanse erste Niederlassungen gründen und so Russland mit dem Westen verbinden. Aber erst die nachfolgenden Zaren sorgten für eine aktive Einwanderungspolitik. Ihr Ziel war nicht nur die Besiedelung der fast menschenleeren Gebiete, sondern vor allem die Europäisierung Russlands. Hierzu wurden in erster Linie ausländische Fachkräfte ins Land gerufen: Handwerker, Baumeister, Kaufleute und sogar Wissenschaftler und Offiziere.

Deutsche Siedler machen Gebiete urbar

Diese Politik fand ihren Höhepunkt mit dem Manifest der Zarin Katharina II. im Jahre 1763. Aufgrund der Leibeigenschaft im Zarenreich fehlte es an Bauern zur Urbarmachung weiter Gebiete, vor allem an der Wolga und am Schwarzen Meer. Der Aufruf der Zarin stellte den ausländischen Ansiedlern Landbesitz in dieser Region in Aussicht sowie verschiedene Privilegien, z.B. Religions- und Steuerfreiheit und Freistellung vom Militärdienst. Rund 8.000 Familien, vorwiegend aus Hessen und Süddeutschland, folgten diesem Aufruf und siedelten sich nach zum Teil jahrelanger Reise im Wolgagebiet an. Diese „Wolgadeutschen" bildeten den Grundstock der deutschstämmigen Bevölkerung in Russland. Die ersten Jahrzehnte dieser Siedler waren von Härten und Entbehrungen geprägt. Zuletzt waren sie aber doch wirtschaftlich erfolgreich. Die nächste größere Gruppe von Einwanderern kam Anfang des 19. Jahrhunderts ins Land. Unter der Herrschaft von Alexander I. wurden Gebiete des Transkaukasus, der Krim und der heutigen Ukraine besiedelt. Mitte des 19. Jahrhunderts hatten deutsche Siedler rund 3.000 Kolonien gegründet.

Erstarken des russischen Nationalismus

Das Leben der deutschen Auswanderer verlief indessen nicht ohne Spannungen. Ihre sprachliche und religiöse Andersartigkeit erweckte vielfach den Argwohn der russischen Bevölkerung. Das Erstarken des russischen Nationalismus tat ein Übriges. Mit den Reformen Alexanders II. verloren die Russlanddeutschen 1871 auch ihre früheren Privilegien. Sie wurden von nun an wie russische Bürger behandelt und mussten auch Militärdienst leisten. Die bisher praktizierte Selbstverwaltung der deutschen Siedlungsgebiete wurde 1878 aufgelöst. Unter diesen Bedingungen hielt es viele nicht mehr im Land. Sie wanderten weiter nach Osten, in Teile Sibiriens, andere verließen Russland und wanderten nach Amerika aus. Diejenigen, die blieben, konnten sich mit Mühe ihre relative Eigenständigkeit bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges erhalten. Man schätzt ihre Zahl auf rund 1,5 Millionen.

Während des Ersten Weltkrieges verschärfte sich die Lage der Russlanddeutschen drastisch. Sie wurden ihres Grundbesitzes enteignet, über 100.000 wurden nach Sibirien deportiert, Tausende kamen dabei um.

Erlass zur Übersiedelung der Wolgadeutschen. (DRK-Suchdienst)Die Russische Revolution und der Bürgerkrieg 1917 bis 1920 blieben nicht ohne Auswirkungen auf das Schicksal der deutschen Minderheit. Allerdings hatten sie eine leichte Konsolidierung ihrer Lebensverhältnisse zur Folge. Die neue sowjetische Regierung hatte bereits 1917 die Gleichberechtigung aller Nationalitäten auf russischem Territorium proklamiert. Als Folge davon konnte 1924 die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (Wolgadeutsche ASSR) entstehen, wodurch die dort lebende deutsche Bevölkerung ihr Ziel, die nationale Autonomie, fast erreicht hatte. Das sozialistische System und die Machtergreifung durch Stalin machten dem jedoch recht schnell wieder ein Ende. Vollends zerstört wurden die Autonomiebestrebungen 1941 nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion.

Zweiter Weltkrieg trennt Siedlerfamilien

Ab August 1941 wurden alle in den Wolgagebieten lebenden Deutschen aus ihren Siedlungsgebieten geschlossen ausgesiedelt und nach Mittelasien und Sibirien deportiert. Mehr noch, sie wurden zur so genannten Trud-Armee (Arbeitsarmee) eingezogen, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten und in Arbeitslagern untergebracht waren. Viele überlebten dieses Martyrium nicht.

Arbeiten in der Trudarmee. (DRK-Suchdienst)Das Schicksal derjenigen Russlanddeutschen, die durch die Kriegshandlungen in den deutschen Machtbereich gerieten, war nicht besser. Nach Kriegsende wurden fast 300.000 Menschen, die sich in Teilen Polens, aber auch in den westlichen Besatzungszonen befanden, „repatriiert", d.h., zurück in die Sowjetunion verbracht, wo sie in die gleichen Zwangsarbeitslager gerieten. Bei diesen Repatriierungstransporten kam es zu sehr hohen Menschenverlusten. Viele Familien wurden auseinandergerissen. Erst Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg traten allmählich Erleichterungen ein. Die Deutschen wurden aus der Trudarmee entlassen, blieben aber weiterhin unter Kommandanturbewachung. Erst 1955, zwei Jahre nach Stalins Tod, normalisierte sich ihr Leben wieder. Die Russlanddeutschen durften sich innerhalb der Sowjetunion relativ frei bewegen. Eine Rückkehr in ihre früheren Heimatgebiete blieb ihnen jedoch weiterhin versagt. Ebenso war eine Ausreise nach Deutschland nur für die wenigsten möglich.

Das änderte sich entscheidend erst Ende der 1980er Jahre mit der Politik Michail Gorbatschows.

Rumänien

Die Geschichte der deutschstämmigen Bevölkerung in Rumänien reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Der ungarische König Geysa II. ließ damals deutsche Siedler aus dem linksrheinischen Gebiet in die Gegend des heutigen Rumäniens kommen. Er wollte damit neue landwirtschaftliche Produktionsmethoden und mitteleuropäische Kultur einführen. Diese Siedler ließen sich im Karpartenbogen, im Gebiet von Siebenbürgen, nieder.

Bis 1945 keine Rumänisierung

Im 18. Jahrhundert warben die Habsburger Herrscher, insbesondere Kaiserin Maria Theresia, deutsche Siedler vorwiegend aus dem südwestdeutschen Raum für eine Ansiedlung im Banat an. Die Siedler verwandelten das weitgehend versumpfte Gebiet in fruchtbares Ackerland.

Nach 1918 wurde das Banat zwischen Rumänien, Jugoslawien und Ungarn aufgeteilt, so dass die dort lebenden Deutschen drei Staaten angehörten.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden deutsche Siedler in der Sathmarer Grafschaft angesiedelt, die hauptsächlich aus Oberschwaben stammten.
Ebenfalls im 18. Jahrhundert wurden weitere Deutsche z.B. in der Bukowina und in Bessarabien angesiedelt.
Die Deutschen in Rumänien bewahrten über die Jahrhunderte hinweg ihre deutsche Kultur und die deutsche Sprache, zum Teil geprägt von den Dialekten der Herkunftsgebiete. Auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gab es keine Versuche, die Deutschen zu rumänisieren. Sie hatten allerdings unter Benachteiligungen zu leiden. Trotzdem hatten die in Rumänien ansässigen Deutschen bis 1945 eine starke wirtschaftliche und soziale Stellung, wodurch ihnen auch ein intensives kulturelles Leben möglich war.

Umsiedlung und Trennung im Zweiten Weltkrieg

Im Jahre 1940 verlor Rumänien aufgrund der politischen Ereignisse große Teile seines Staatsgebietes an die Sowjetunion, an Bulgarien und an Ungarn. Die Deutschen, die in Bessarabien und in der Bukowina lebten, wurden umgesiedelt. 215.000 Personen wurden in das damalige Reichsgebiet verbracht. Die etwa 70.000 Deutschen, die in Nordsiebenbürgen und im Sathmarer Gebiet lebten, wurden zwangsweise ungarische Staatsangehörige.

Im Zweiten Weltkrieg war Rumänien eine Zeit lang mit Hitlerdeutschland verbündet und nahm an den Kampfhandlungen gegen die Sowjetunion teil. Der Preis hierfür war hoch. Allein 60.000 Männer wurden 1943 in Einheiten der Waffen-SS eingezogen, wo sie schwere Verluste erlitten. Die Überlebenden, sofern sie nicht in Kriegsgefangenschaft geraten waren, verbrachten die Zeit nach dem Krieg im westlichen Ausland und waren so über viele Jahre von ihren in Rumänien lebenden Familien getrennt.

Im Herbst 1944 flüchteten über 100.000 Rumäniendeutsche in das damalige Deutsche Reich. Ein Teil von ihnen wurde allerdings von den sowjetischen Truppen nach 1945 wieder nach Rumänien zurückgebracht.

Von den in Rumänien verbliebenen Deutschen wurden ca. 80.000 Männer und Frauen im Januar 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Viele Menschen starben unter den unmenschlichen Bedingungen oder kehrten nach Jahren krank heim.

Ab 1990 Übersiedlung nach Deutschland

Die Rumäniendeutschen verloren ihre politischen Rechte und wurden entschädigungslos enteignet. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die deutschstämmige Bevölkerung - neben den allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen - unter vielfältigen Benachteiligungen zu leiden. 1956 verbesserte sich ihre Lage aufgrund einer liberaleren Politik. Dennoch bestand der Wunsch der in Rumänien verbliebenen Deutschen auf Wiedervereinigung mit ihren durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse getrennten Familienangehörigen fort. Nach der Öffnung der rumänischen Grenzen 1990 siedelten ca. 60 % der zu der Zeit noch in Rumänien lebenden ca. 180.000 Rumäniendeutschen innerhalb eines Jahres nach Deutschland über. Die noch verbliebenen Deutschen leiden zunehmend unter Vereinsamung, da Verwandte und Freunde das Land verlassen haben.

Am 01.01.2007 wurde Rumänien in die Europäische Union aufgenommen.

Polen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurden die Grenzen des ehemaligen polnischen Staatsgebietes entsprechend den Übereinkünften der Potsdamer Konferenz  nach Westen verlegt. Ein Teil des ehemaligen Gebietes wurde der Sowjetunion zugeordnet; im Westen und Norden fand hingegen eine Erweiterung Polens um die ehemaligen deutschen Gebiete östlich der Oder und Neiße statt. Diese Gebiete waren bis 1945 fast ausschließlich von Deutschen bewohnt.

Aber auch außerhalb dieser Gebiete lebten deutschstämmige Menschen, Nachkommen der deutschen Siedler, die im Mittelalter über Schlesien und Pommern hinaus nach Polen gezogen waren. Trotz aller Assimilierungstendenzen bekannte sich die Mehrheit dieser Menschen zum Deutschtum.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war es den deutschen Volkszugehörigen möglich, ihre Sprache und Kultur zu pflegen. Nach der deutschen Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg bestand für zahlreiche Menschen die Möglichkeit, über die Eintragung in die „Deutsche Volksliste", die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben.

Anfang 1945 flohen ca. 3,6 Millionen Deutsche aus diesen Gebieten vor der Roten Armee oder wurden Opfer von Vertreibungen. Hiervon kehrten bis zum Sommer 1945  über eine Million Menschen wieder zurück, da sie davon ausgingen, dass die Gebiete deutsch bleiben würden.

Diskriminierung nach dem Zweiten Weltkrieg

In der Folgezeit hatten die Deutschen unter vielerlei Benachteiligungen, von Diskriminierungen bis hin zu Zwangsverschleppungen und Zwangsarbeit zu leiden. In der Zeit zwischen 1945 bis 1950 wurden zudem ca. 3,5 Millionen Deutsche aus Polen zwangsausgewiesen und vertrieben. Die verbleibenden etwa 1,7 Millionen Deutschen mussten sich einer „Verifizierung" ihrer nationalen Zugehörigkeit unterziehen.

Erst nach 1950 verbesserte sich die Lage für die zurückgebliebenen ca. 1,7 Millionen Deutschen etwas. Sie wurden als Minderheit anerkannt und sie konnten ihre deutsche Kultur pflegen. Ab 1960 allerdings bestritt Polen die Existenz einer deutschen Minderheit und stellte die Förderung der deutschen Kultur ein. So wurden z.B. die deutschen Schulen aufgelöst und der Druck deutschsprachiger Zeitungen eingestellt. Besonders hatten die zweisprachigen Deutschen, die sog. Autochthonen hierunter zu leiden, da sie von jeglicher Förderung der deutschen Kultur seitens des Polnischen Staates ausgeschlossen waren.

Der Warschauer Vertrag von 1970 erkannte indirekt eine deutsche Minderheit an, indem Deutschstämmigen die Erlaubnis zur Ausreise zugesichert wurde.

Die polnische Seite ging hierbei nur von einigen zehntausend Ausreisewilligen aus. Allein das Deutsche Rote Kreuz hat aber dem Polnischen Roten Kreuz gegenüber über 300.000 Ausreisewillige namentlich benannt. Schätzungen gingen sogar von 1,5 Millionen Ausreisewilligen aus. Trotz der verbesserten Situation bestand bei vielen Menschen immer noch der Wunsch zur Ausreise, da viele Familien getrennt waren und die Pflege des Deutschtums in Polen immer noch nicht ungehindert möglich war.

Ein Meilenstein für die Ausreisewilligen stellte das von den Außenministern Polens und Deutschlands Ende 1975 unterzeichnete Protokoll dar. Hierin wurde die Erteilung von 125.000 Ausreisegenehmigungen innerhalb der nächsten vier Jahre zugesichert und für die Folgezeit weitere in Aussicht gestellt.

Als erstes Land des ehemaligen Warschauer Paktes griff Polen 1981 eine Forderung des Wiener KSZE-Folgetreffens auf und wollte die Zusammenführung von Familien erleichtern. Starker Anstieg der Einreisezahlen (z.B. 1989: 250.340).

Im Mai 2004 trat Polen der Europäischen Union bei.

Weitere deutsche Sprach- und Kulturinseln in Ost- und Südeuropa

Über die bisher genannten Gebiete hinaus gab es noch zahlreiche weitere deutsche Siedlungen z.B. in Ungarn, der ehemaligen Tschechoslowakei und in Jugoslawien. In allen Ländern Ost- und Südosteuropas gab es über Jahrhunderte hinweg deutsche Sprach- und Kulturinseln. Das Schicksal der Deutschen, die einst als Arbeitskräfte und Kolonisatoren willkommen waren, im Zuge des Aufkommens nationalstaatlicher Ideen aber aufgrund ihrer Herkunft zunehmend unter Diskriminierung und Anpassungsdruck zu leiden hatten, war im Wesentlichen ähnlich.

Die zunehmende Verschlechterung der Lebensumstände der Angehörigen der deutschen Minderheit verstärkte den Wunsch nach Aussiedlung nach Deutschland.