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Verschollene des Zweiten Weltkriegs

Generationenübergreifendes Interesse
Registrierung
Nachforschungsmethoden

Generationenübergreifendes Interesse an Schicksalsklärung

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland sind unmittelbar und mittelbar vom Zweiten Weltkrieg Betroffene. Diese heute 60- bis über 90-jährigen Menschen beschäftigen sich mit zunehmendem Alter verstärkt mit ihrer eigenen Vergangenheit; viele von ihnen leiden noch heute unter ihren Erlebnissen während des Krieges, unabhängig davon, ob sie diesen als Erwachsene oder als Kinder erlebt haben.  Die Auswirkungen davon zeigen sich meist erst in späteren Lebensabschnitten.

Suche nach Vermissten nach Ende des Zweiten Weltkrieges. (DRK-Suchdienst)Aber auch die Nachfolgegenerationen der unmittelbar vom Krieg betroffenen Familien befassen sich in zunehmenden Maße mit den ungeklärten Schicksalen ihrer Angehörigen. Kinder, oft ohne Väter aufgewachsen, weil diese im Krieg eingezogen worden waren, interessieren sich heute als Erwachsene verstärkt für die Schicksalswege ihrer Väter und ihre eigene Herkunft. Im Nachlass ihrer verstorbenen Eltern, Mütter, finden sie nicht selten Unterlagen über deren vergebliche Suche nach ihren Vermissten. Viele greifen die Thematik von neuem auf und erkundigen sich nach dem aktuellen Stand der Nachforschungen. Erhalten sie eine schicksalklärende Benachrichtigung, bitten sie oftmals um ergänzende Informationen über die letzten Lebensstationen und den Sterbeort ihrer Angehörigen. Der Anspruch dieser Menschen auf Gewissheit über das Schicksal ihrer vermissten Angehörigen ist berechtigt. Der DRK-Suchdienst widmet sich dieser humanitären Aufgabe intensiv und kann dank seines umfangreichen Datenbestandes in vielen Fällen weitere Auskünfte erteilen.

Registrierung von Kriegsgefangenen und Vermissten

Nach Gründung der Bundesrepublik rief im März 1950 Bundespräsident Theodor Heuß alle Bürger Westdeutschlands dazu auf, ihre Vermissten registrieren zu lassen. Die Bundesbürger strömten zu den Rathäusern und Amtsstuben, um dort alle bekannten Personalangaben über die noch Abwesenden auf Karteikarten anzugeben..

Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder gemeldet, über deren Verbleib immer noch nichts Näheres bekannt geworden war. Die gesammelten Suchfälle wurden dem Suchdienst des DRK von der Bundesregierung zur Klärung übertragen. Viele dieser Schicksale konnte er klären, aber auch heute sind dem Suchdienst noch 1,3 Millionen Personen bekannt, deren Schicksal weiterhin ungewiss ist.

Da sich diese Erfassung auf den Westen Deutschlands beschränkte, blieben die Suchenden in der ehemaligen DDR und in den Ländern Osteuropas unberücksichtigt. Aus diesem Grund werden 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch völlig neue Anfragen gestellt. Die tatsächliche Gesamtzahl der Verschollenenfälle ist deshalb immer noch nicht abschließend.

Eine restlose Klärung aller Schicksale wird leider nicht möglich sein, weil viele Menschen in den Wirren des Krieges verschwanden, ohne dass hierüber schriftliche Aufzeichnungen angefertigt wurden. So gerieten nach dem Zusammenbruch der Ostfront Hunderttausende in Gefangenschaft, entsprechende Registrierungen wurden aber erst von den Verwaltungen der Transportzüge und der Bestimmungslager durchgeführt. Menschen, die auf dem langen Marsch dorthin verstarben, werden für immer zu den Verschollenen zählen, deren Schicksal ungeklärt bleibt.

Heimkehrerbefragung durch Rotkreuz-Schwester. (DRK-Suchdienst)Vorbereitung eines Gutachtens. (DRK-Suchdienst)Druck eines Verschollenen-Gutachtens. Foto: DRK-SuchdienstNachforschungsmethoden

Ein erheblicher Teil der Schicksale konnte mit Hilfe einer umfangreichen Heimkehrerbefragung aller aus sowjetischem Gewahrsam nach Westdeutschland Entlassenen geklärt werden.

Es gab Suchmeldungen über die Medien - insbesondere den Rundfunk - sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem Suchdienst des Sowjetischen Roten Kreuzes mit gemeinsamem Abgleich aller Meldekarteien.

Rekonstruktion von Schicksalen

Konnten die Schicksale mit Hilfe der dargestellten Methoden nicht geklärt werden, ging der DRK-Suchdienst dazu über, die Geschichte der Vermissten mit so genannten Gutachten zu rekonstruieren. Diese enthielten ausführliche  Informationen zu den letzten Lebensstationen der Verschwundenen. Ein direkter Zugang zu den Archivbeständen der ehemaligen Sowjetunion war damals noch nicht möglich.

Dem Suchdienst stand dafür umfassendes Material zur Verfügung:

  • Die Vermisstenmeldungen der Truppe,
  • militärhistorische Forschungsergebnisse über den Verlauf der Kämpfe
    an den einzelnen Frontabschnitten,
  • die letzte eigene Nachricht des Vermissten,
  • die Suchanfrage der Angehörigen,
  • Aussagen ehemaliger militärischer Führer,
  • vor allem aber die Aussagen der überlebenden Heimkehrer, die in der
    gleichen militärischen Einheit und auf dem gleichen
    Kriegsschauplatz gekämpft hatten.

Anhand des vorhandenen Materials wurde festgestellt, was mit einer militärischen Einheit an einem bestimmten Tag, an einem bestimmten Ort militärisch geschehen war. Ob es zu Panzer- bzw. Luftangriffen, schwerem Artilleriefeuer oder zu Infanteriegefechten gekommen war und welche Verluste, Tod oder Gefangennahme, zu verzeichnen waren.

Aus dem Ablauf des kriegerischen Geschehens wurde dann das Schicksal der betroffenen Einheit und ihrer Soldaten nachgezeichnet. Als diese Arbeiten im Jahre 1991 eingestellt wurden, lagen aus 25 Jahren insgesamt 1,12 Millionen Gutachten vor, 1,09 Millionen zu Soldaten und 30.000 zu Zivilpersonen.

Auswertung russischer Archive

Erst die Politik Gorbatschows erlaubte die detaillierte Erschließung der russischen Archivquellen. Die schrittweise Übergabe von Daten, die aus den vorwiegend in Moskau lagernden Gefangenen- und Interniertenakten erfasst wurden, begann bereits im Jahr 1992. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Rubrik „Akten aus Moskau“.