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IKRK stellt Kriegsgefangenen-Archiv ins Internet

„Die Nahrung habe ich gekostet.“ Delegierte vom IKRK - hier wahrscheinlich in Makedonien -  besuchten hunderte Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg. Foto: IKRK
„Die Nahrung habe ich gekostet.“ Delegierte vom IKRK - hier wahrscheinlich in Makedonien - besuchten hunderte Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg. Foto: IKRK

Acht Millionen Soldaten und zwei Millionen Zivilpersonen gerieten im Ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. Allein in Deutschland waren insgesamt 2,5 Millionen Menschen als Kriegsgefangene untergebracht.

Die beteiligten Länder hatten sich zwar formal verpflichtet, Gefangene human zu behandeln, aber in früheren Kriegen war die Einhaltung dessen nie kontrolliert worden. Praktisch verhielt sich jede Partei gegenüber ihren Kriegsgefangenen immer nur so human, wie sie von der anderen Partei zu wissen glaubte. Etwa, wenn es um eine zusätzliche Decke für die Gefangenen ging, warmes Essen oder die Möglichkeit, einen Brief an ihre Familien zu senden.

„Es war eine Spirale nach unten“, sagt IKRK-Historiker Francois Bugnion „Wenn ein Verantwortlicher im Land X das Gerücht hörte, Gefangene seines Landes im Land Y würden schlecht behandelt, zog er umgehend vermeintlich gleiche Konsequenzen für die Kriegsgefangenen im eigenen Land. Bekam die Gegenseite wiederum davon etwas mit, machte sie dort das Gleiche. Und so weiter.“

Zum ersten Mal in der Geschichte besuchten nun aber neutrale Mitarbeiter des Roten Kreuzes persönlich die Gefangenenlager, um sich ein eigenes Bild von den Zuständen vor Ort zu machen.

„Die Nahrung habe ich hier und anderwärts gekostet und überall für gut gefunden, desgleichen das Brot.“ schreibt der IKRK-Delegierte A. Eugster nach Genf über einen Besuch in Holzminden am 9. Januar 1915. Insgesamt ist Eugsters Bericht 40 Seiten lang und umfasst 10 Lager und 10 Lazarette. Aus Holzminden übermittelt er sogar eine Speisekarte, aus der genau hervorgeht, was die Gefangenen zu essen bekommen.

Die Motivation für alle Konfliktparteien, solche Besuche zuzulassen, waren sehr pragmatisch: Wenn ich weiß, dass meine Soldaten human behandelt werden, dann habe ich auch die Pflicht, die Gefangenen in meinem Land human zu behandeln.

Auf der Webseite http://grandeguerre.icrc.org hat das IKRK diesen Einsatz ausführlich dokumentiert. Das Archiv mit den Namen der Kriegsgefangenen umfasst 5 Millionen Personen und wurde 2014 fast komplett online gestellt. Berichte aus 524 Lagern in Europa, Nord-Afrika, Indien wurden eingescannt und können online betrachtet und gelesen werden.

„Diese Besuche markierten den Auftakt für eine wichtige Aufgabe des Roten Kreuzes“, sagt heute die Leiterin des DRK-Suchdienstes, Dorota Dziwoki. „Seit dem Ersten Weltkrieg haben Rotkreuz-Delegierte Millionen Gefangene auf der ganzen Welt besucht und Rotkreuznachrichten vermittelt.“

Ein aktuelles Beispiel ist das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. IKRK-Delegierte registrieren die Namen, befragen Gefangene danach, wie sie behandelt werden und sehen sich das Lager mit eigenen Augen an.

Auch der DRK-Suchdienst vermittelt Rotkreuznachrichten zwischen Gefangenen in Guantánamo und ihren Familien – 100 Jahre, nachdem solche Briefe zum ersten Mal ermöglicht wurden.