Die Zentrale Namenskartei

Die Zentrale Namenskartei (ZNK) enthält Angaben zu mehr als 20 Millionen Suchanfragen nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs. In diesem Aufgabenfeld des DRK-Suchdienstes ist sie das wichtigste Auskunftsmittel und beinhaltet mit ca. 50 Millionen Karteikarten alle vorliegenden Informationen zu den darin dokumentierten Einzelfällen. Wem wir damit helfen können Sie hier nachlesen »

Inhalt der Zentralen Namenskartei

Neben Millionen Suchanfragen, von Angehörigen der Vermissten oder von öffentlichen Stellen, hat die ZNK im Laufe der Jahrzehnte eine Reihe wichtiger Spezialkarteien aufgenommen:

  • Kinderkartei (Namens- und Merkmalkarteien von unbegleiteten Kindern)
  • Kriegsgefangenen- und Vermisstenregistrierung von 1950
  • Gesamterhebung der Vertreibungsverluste von 1955 bis 1959 (ca. 124.000 Karteikarten)
  • Zentrale Interniertenkartei (ca. 1.200 Karten inkl. Haftfälle DDR)
  • Kartei der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (ca. 900.000 Karten inkl. Haftfälle NKWD-Lager SBZ/DDR, Haftfälle DDR)
  • Karteien aus dem Abgleich mit der damaligen Deutschen Dienststelle (WASt), Behörden, Gerichten und lokalen Versorgungsbehörden (Heimkehrermeldekarten)
  • Karteien der dänischen Flüchtlingsadministration Kopenhagen betreffend Flucht über die Ostsee, Ankunft und Internierung in Dänemark (ca. 200.000 Karten)

Systematik der Zentralen Namenskartei

Grafik Zentrale Namenskartei

Die Zentrale Namenskartei ist alpha-phonetisch nach den Familiennamen der Gesuchten und im Begegnungsverfahren geordnet. Die phonetishe Erfassung ermöglicht, vereinfacht zu suchen und Namen mit komplizierter Schreibweise oder Häufigkeitsnamen mit unterschiedlichen Schreibweisen (z.B. Meier, Schmidt) zusammenzuführen.

Auch heute ist die Kartei noch immer Grundlage für alle Nachforschungen, die im Zusammenhang mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs stehen, und wird bei jeder einzelnen Anfrage neu geprüft. Aus diesem Grund sind in jeder Suchanfrage möglichst vollständige Angaben zur gesuchten sowie suchenden Person erforderlich.

Geschichte der Zentralen Namenskartei

Die Geschichte dieser Kartei beginnt direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den westlichen Zonen des von den Siegermächten besetzten Deutschlands: in Hamburg, München, Stuttgart und in Saarbrücken. Zeitgleich entsteht in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Kartei des „Suchdienstes für vermisste Deutsche“. Mit Zentralisierung des Bereichs "Nachforschung" werden die Hamburger und die Münchener Kartei in 1950 am Suchdienst-Standort München zusammengeführt.

Daten der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR)

Die Kartei des DRK-Suchdienstes der DDR, vormals Kartei des „Suchdienstes für vermisste Deutsche in der Sowjetischen Besatzungszone“, hat ihre Wurzeln in der „Zentralkartei der Provinz Sachsen“ (Halle). Sie wird in 1946 für die Registrierung sogenannter Umsiedler, d.h. Flüchtlinge, gegründet und im Jahr 1990, mit Vereinigung der beiden Rotkreuz-Gesellschaften Ost und West, an den DRK-Suchdienst übergeben. Die ca. 8 Millionen Karteikarten bestehen vorwiegend aus Such- und Stammkarten (d.h. aus der Verkartung von Suchanträgen) und dem Abgleich mit Meldebehörden.

Da es eine staatliche Vermisstenregistrierung bzw. eine systematische Heimkehrerbefragung auf dem Gebiet der SBZ/DDR nicht gab, sind Heimkehrermeldungen bzw. Registrierkarten im Bestand kaum bzw. gar nicht vorhanden. Auch diese Datenbank wird bei jeder Suchanfrage geprüft.

Digitalisierung der Zentralen Namenskartei

Ab den 1990er Jahren werden die Arbeitsprozesse innerhalb der Suchdienstarbeit zunehmend elektronisch: Innerhalb eines Workflow-Systems können Daten aus unterschiedlichsten Quellen eingebunden werden (z. B. durch den Transfer von Datensätzen und digitalen Unterlagen aus russischen Archiven. Bei der herkömmlichen Nutzung der ZNK führt dieses Verfahren aber zu unerwünschten Medienbrüchen, so dass es an den allgemeinen technischen Standard angepasst werden muss. Die Vielfalt an unterschiedlichsten Dokumentenvorlagen und Qualitäten, die den Karteibestand auszeichnen, sind zugleich auch eine große Herausforderung für Technik, Personal, Arbeits- und Zeitmanagement. Nach über zehn Jahren Digitalisierung liegen die Karten der ZNK heute komplett elektronisch vor und passen auf eine Festplatte mit 5 Terabyte.

In digitaler Form lässt sich die ZNK nun leichter und schneller nutzen; gleichzeitig bleibt der Inhalt der Papierkarten aus der direkten Nachkriegszeit geschützt vor Verfall. Die digitale Ablage ist an die originale Karteikartenstruktur angepasst, so dass der Zugriff zur Bearbeitung von Suchanfragen wie gewohnt möglich ist. Die Originalkarten, wichtige historische Dokumente, werden in 2014 aus ihren Räumlichkeiten am Suchdienst-Standort München verlegt und befinden sich heute sicher verwahrt im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin.

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